Den Rechtsruck wegraven?

Am 27. Mai 2018 kamen in Berlin tausende Menschen zusammen kam, um gegen eine Demonstration der rechtsradikalen AfD zu protestieren. Dabei entstand aus der Ferne der Eindruck, Berlin hätte eine sehr große, sehr fröhliche Party erlebt. Die Teilnehmer*innen-Zahlen waren beeindruckend. Sie schwanken zwischen 25.000 und 72.000 Protestierenden. Mit Bildern komplett voller Straßenzüge und mit dem allgemeinen Gefühl, dass dort den Rechten etwas entgegen gesetzt wurde, scheint der aktuelle Rechtsruck in Europa kurz weniger bedrohlich.

Aber lässt sich der Rechtsruck wegtanzen?

Fakt ist: Die AfD konnte ihre Demonstration durchführen. Zwar gab es kleinere Störungen, verhindert hat das den rechten Demonstrationszug aber nicht. Auch die menschenfeindlichen Reden, denen etwa 2.000 Teilnehmende zuhörten, verliefen ungestört.

Fakt ist, dass nur einen Tag später ähnlich viele Pegida-Anhänger*innen durch Dresden marschieren. Und dass sie dies seit fast vier Jahren und mit mittlerweile deutlich geschrumpften Gegenprotest tun.

Und Fakt ist leider auch, dass mit menschenfeindlicher Asylpolitik, neuen Polizeigesetzen und immer härterer Repression nach und nach genau die Forderungen umgesetzt werden, die man sich rund um AfD und Pegida wünscht.

Dagegen hilft es leider nicht, fröhlich auf der Straße zu tanzen.

Was der Protest in Berlin aber bewirkt hat, ist eine ungeheuer breite Mobilisierung gegen die AfD. Weder der bürgerlich-intellektuelle Anstrich noch die Sitze in Parlamenten helfen der neurechten Partei, einem immer breiter werdenden Widerspruch zu entgehen. Die vielen Menschen auf den verschiedenen Gegendemos zeigten nicht nur nach außen, sondern auch einander, wie vielfältig sie sind und mit wie viel Solidarität und Entschlossenheit sie Menschenfeindlichkeit entgegen treten.

Wenn all die vielen Menschen diesen Protesttag nicht nur als nettes Tanzen auf der Straße erinnern, sondern wenn sie sich vor allem an diese Solidarität und Entschlossenheit erinnern, dann kann es helfen, zusammen fröhlich auf der Straße zu tanzen.

Jetzt ist es wichtig, sich nicht nur auf das nächste Mal Tanzen zu freuen, sondern bis dahin auch mal die Dinge zu wagen, die vielleicht weniger Spaß machen: Sich belesen, diskutieren, Pläne schmieden, selber auch im Alltag gruppenbezogener Menschenfeindlich entgegen treten und zusammen für das schöne Leben kämpfen.

Wenn auch nur einige Menschen die Energie dieses Tages nutzen, um politisch aktiv zu werden, dann hat das Tanzen etwas gebracht.

Bildquelle: Robert Anders

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