10 Möglichkeiten, wie ihr Sachsen jetzt unterstützen könnt

Ja, ja, ja, es ist mittlerweile bekannt: In Sachsen sind rechte und rechtsradikale Gedanken fest verankert. Über ein Viertel der Bürger*innen (25,3 %) stimmten bei der Europawahl am 26. Mai 2019 für die AfD. Bei den Kommunalwahlen wurden besonders in ländlichen Regionen und kleineren Städten, aber auch in Bautzen (40.000 Einwohner*innen) und in Chemnitz (250.000 Einwohner*innen), verstärkt rechtsradikale Parteien und Gruppierungen gewählt.

Ja, Sachsen ist finster

In Sachsen konnte der NSU jahrelang untertauchen und die Gruppe Freital konnte hier monatelang ungestört Anschläge vorbereiten. Nicht erst seit dem “Hutbürger” sorgen sächsische Rechtsradikale für bundesweite Aufmerksamkeit. So albern sie in zusammengemischten Videoclips im Neo Magazin Royale wirken, so gefährlich sind sie eben auch. 2018 gab es laut Statistik des RAA Sachsen (ein Verein, der Betroffene rechter und rassistischer Gewalt unterstützt) 317 rechtsmotivierte und rassistische Angriffe in Sachsen. Damit stieg die Anzahl der rechten Gewalttaten im Vergleich zum Jahr 2017 (229) um 38 %. Diese Zahlen sind ebenso finster wie Wahlergebnisse, die der AfD weiteren Aufschwung geben.

…aber ihr könnt das ändern!

Weiterer Aufschwung für die AfD könnte bedeuten, dass auch die Landtagswahl am 1. September 2019 in Sachsen finster ausfällt. Was dagegen nicht hilft, sind ironische Vorschläge wie “Blauhelme nach Sachsen” oder “Einfach wieder ‘ne Mauer drum”. Was hilft, sind zum Beispiel diese 10 ganz realen Möglichkeiten, wie ihr Menschen in Sachsen jetzt unterstützen könnt. Denn die gute Nachricht: Es gibt Menschen in Sachsen, die sich für fortschrittliche Politik und gegen Menschenverachtung und Diskriminierung einsetzen. Sicher sind einige dieser Tipps auch auf andere ostdeutsche Bundesländer, die erschreckende Wahlergebnisse liefern, anwendbar. Und praktischerweise sind sie für alle umzusetzbar – egal, ob ihr in Sachsen wohnt oder nicht.

1. Hört zu und schaut hin!

Sachsen ist wirklich zuverlässig, wenn es darum geht, skurrile bis erschreckende Nachrichten zu liefern. Dass menschenfeindliche Umtriebe weit verbreitet sind und an vielen Orten durch Polizei und Behörden geschützt werden, ist ein alter deutschlandfarbener Anglerhut. Trotzdem: Hört nicht auf, genau hinzusehen, was da los ist. Bleibt aufmerksam und hört vor allem den Menschen zu, die direkt aus sächsischen Orten berichten. Auch in Sachsen gibt es viele, die sich gegen Rechtsradikale einsetzen. Weil sie das schon ziemlich lange tun und weil es so bitter nötig ist, machen sie das richtig gut. Lasst euch nicht abschrecken, wenn eine lokale Antifa-Gruppierung euch zu wild erscheint, sondern schaut, was sie zu sagen hat. Oft sind es genau diese kleineren Gruppen, die dafür sorgen, dass beispielsweise Informationen über Neonazis ans Tageslicht kommen.

2. Regt euch auf!

Lasst die Geschichten aus Sachsen nicht zur Normalität werden. Auch wenn es scheint, als würde etwas zum fünften Mal passieren, bleibt es wichtig, sich darüber aufzuregen. Pluspunkt: Wenn ihr nicht in Sachsen lebt, zeigt ihr so Solidarität mit denjenigen, für die diese Geschichten Alltag sind.

3. Der Share-Button ist euer Freund!

Ein paar Klicks in sozialen Netzwerken werden weder die Welt noch Sachsen verändern. Dennoch ist es wichtig, Informationen und Geschichten aus Sachsen Reichweite zu verleihen. Mittlerweile hat fast jede lokale Initiative oder Organisation mindestens eine eigene Facebookseite oder einen Twitteraccount. Sucht danach, folgt ihnen und teilt ihre Inhalte.

4. Seht auch das Gute – und erzählt davon!

Wie an allen anderen Orten auch, passiert in Sachsen nicht nur Schlechtes. Achtet mal darauf, nicht nur die krassen, schlimmen Horrornews aus Sachsen zu verbreiten, sondern gebt auch dem Schönen eine Chance. Auch, wenn es vielleicht nur eine ganz kleine antirassistische Initiative ist – denn gerade die benötigt Unterstützung.

5. Fahrt zu Demonstrationen!

Demonstrationen brauchen vor allem eines: Menschen, die sich für etwas stark machen. Warum nicht mal in Sachsen dabei unterstützen? Ob es nun eine Demonstration zu einem bestimmten Thema ist oder eine Protestveranstaltung gegen einen Naziaufmarsch: Mitmachen ist immer gern gesehen. Und ganz nebenbei habt ihr die Möglichkeit, Initiativen kennenzulernen und mit anderen Demoteilnehmenden in Kontakt zu treten.

Wie wäre es mit einer Busfahrt zu einer Demo in Sachsen?

Zukünftige und zuverlässige Demotermine in Sachsen

6. Unterstützt Veranstaltungen!

Auch abseits von Demonstrationen gibt es Veranstaltungen, denen ihr mit eurem Besuch helfen könnt. Bei Theaterprojekten, Kunstausstellungen oder Festivals stehen Spaß und Kultur im Vordergrund – und trotzdem sind sie für lokale Strukturen, Bildungs- und Jugendarbeit enorm wichtig. Schaut doch zum Beispiel mal bei den Zukunftsvisionen in Görlitz vorbei, oder beim Stains in the Sun im Erzgebirge. Besucht die Global Space Odyssey in Leipzig oder den Tolerave in Dresden und unterstützt die Wann Wenn Nicht Jetzt Konzerttour!

7. Tauscht Wissen aus!

Ihr habt Erfahrungen gesammelt und denkt, auch andere können davon profitieren? Ihr seid über ein ganz bestimmtes gesellschaftliches oder politisches Thema informiert? Ist vielleicht sogar schon ein Vortrag vorbereitet? Dann fragt doch mal, ob jemand davon hören möchte. Und wenn ihr schon dabei seid, dann scheut euch nicht zu fragen, ob es Menschen (aus Sachsen) gibt, die über Dinge und Themen referieren können, von denen ihr mehr Ahnung haben möchtet.

Tauscht Wissen mit Expert*innen aus Sachsen aus!

8. Haste mal… sehr, sehr viele Spenden?

So einfach, so effektiv: Vielen Organisationen und Gruppen ist mit Spenden geholfen. Sei es nun, um Räumlichkeiten zu mieten, Mitarbeiter*innen zu beschäftigen, Veranstaltungen auf die Beine zu stellen, oder Demonstrationen zu organisieren: Geld wird eigentlich immer benötigt. Fragt an, ob die Initiative, die ihr unterstützen möchtet, ein Spendenkonto hat. Unterstützt Projekte wie das Dorf der Jugend auf Patreon. Sucht euch beim Netzwerk Tolerantes Sachsen euren liebsten aus einer langen Vereinsliste. Oder schaut mal, auf welcher Veranstaltung ihr der Antifaschistischen Herzigkeit begegnen könnt.

Lasst Spenden an tolle Vereine und Organisationen regnen!

9. Macht Druck!

Die eigene Empörung sichtbar zu machen ist das eine. Das andere ist aber, sie gezielt zu kommunizieren. Wenn in Sachsen mal wieder Mist passiert, dann ruft bei den zuständigen Personen oder Behörden an, fragt, was da los ist. Menschen auf Entscheidungsebenen sind häufig dankbar für unmittelbar geäußertes Feedback, das sie nicht erst aus beispielsweise Wahlergebnissen herleiten müssen. Unterstützt Kampagnen wie “Nationalismus ist keine Alternative”, die gerade im Vorfeld von Wahlen aktiv sind.

10. Bleibt mutig!

Lasst euch bei all dem nicht unterkriegen. Ob ihr nun in Sachsen wohnt oder außerhalb, verliert nicht den Mut, euch weiterhin gegen Menschenfeindlichkeit und Diskriminierung stark zu machen. Sucht euch Freund*innen und macht euch gemeinsam stark. Seid solidarisch: Wenn ihr zum Beispiel selber keinen Rassismus erfahrt, dann unterstützt diejenigen, die ihn täglich erleben müssen. Und fangt bloß nicht an, aufzugeben.

Bleibt mutig und gebt nicht auf!

Titelbild: Antonio Mendes

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