Eine Kulturszene ohne Veranstaltungen

Ich genieße es normalerweise sehr, in Leipzig eine so vielseitige Kulturszene zu haben, aus der ich mir einfach die für mich passenden Rosinen picken kann, wann immer ich ausgehen möchte. Verständlicherweise ist im Zuge der COVID-19 Pandemie aber so gut wie alles abgesagt. So langsam beginnen auch die Folgen sichtbar zu werden.

Die Bühnen bleiben leer – und die Kassen auch

Unmittelbar betroffen sind zuallererst Kulturbetriebe, die trotz laufender Miet- und Personalkosten geschlossen bleiben müssen. Kleinere Einrichtungen stehen so oft innerhalb kurzer Zeit vor der Insolvenz. Mit Spenden oder Gutscheinkäufen könnt ihr hier auch mit kleinem Geld helfen, damit Eure Lieblingslocation in ein paar Wochen wieder öffnen kann. Ebenfalls direkt betroffen sind Künstler*innen, Veranstaltungstechniker*innen und andere Berufstätige, die sich ebenfalls über Spenden, aber auch über nicht zurückgegebene Tickets abgesagter Events freuen. Vielleicht möchtet Ihr auch trotz Streaming-Abo mal wieder ein Album Eurer Lieblingsband kaufen. Und im Optimalfall macht ihr das sogar auf einer Plattform wie Bandcamp, die Musiker*innen erheblich mehr vom Verkaufserlös übrig lässt als die großen Anbieter. Bildende Künstler*innen haben bestimmt auch Werke im Angebot, die Euch auch ohne Ausstellung gefallen und in Euer Budget passen.

Einnahmen? Fehl-Anzeige!

Aber auch indirekt sind wesentliche Teile der Kulturszene betroffen. Die Hochschulzeitung luhze beispielsweise musste ihre April-Ausgabe streichen, weil die Anzeigenkund*innen wegen fehlender Planungssicherheit abgesprungen sind. Um weiter (ehrenamtlich!) produzieren zu können ist luhze auf Spenden angewiesen und hat hier einen Aufruf dazu veröffentlicht. Ähnlich geht es dem kreuzer, der zwar nicht ehrenamtlich, aber immerhin unabhängig über die Leipziger Kultur berichtet. Dort wird es zwar eine April-Ausgabe geben, wohl aber nicht in der gewohnten Seitenzahl, da auch dieses Magazin auf derzeit ausbleibende Werbe- und Anzeigeneinnahmen angewiesen ist. Auch hier gibt es einen Unterstützungsaufruf.

Solidarität muss praktisch werden – und kreativ

Schlimm sind auch die Folgen für die Literaturszene, da sämtliche kleine Buchhandlungen geschlossen bleiben, der online-Handel über Platzhirsche wie Amazon aber nicht eingeschränkt ist. Einen kreativen Ansatz dazu hat zum Beispiel die Connewitzer Verlagsbuchhandlung, die telefonisch und per Mail Bestellungen annimmt und individuelle Lösungen für eine kontaktfreie Übergabe anbietet. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass wir derzeit ungewohnte Wege gehen müssen, um mittel- und langfristig die Kulturszene zu erhalten. Bestimmt habt Ihr noch mehr Ideen, wie Betroffene unterstützt werden können. Ich hoffe, wir finden Wege, auch in schwierigen Zeiten solidarisch zu bleiben.


Originalbild: Adrian Swancar

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