10 gute Gründe, warum Du Dir einen Rasierhobel zulegen solltestG

Seit ich angefangen habe, mich regelmäßig zu rasieren, war es mir lästig. Mindestens genauso lästig waren mir aber auch die Stoppeln, die nach spätestens drei Tagen  eine unangenehme Länge erreicht hatten. Was also tun?

Angefangen habe ich mit einem elektrischen Rasierapparat. Der war leicht zu benutzen und hat getan, was er sollte – aber nur mit mäßigem Ergebnis. Einige Jahre später wechselte ich auf Nassrasur mit einem sogenannten Systemrasierer. Was die Gründlichkeit betrifft, sagte mir diese Variante mehr zu – aber sie war auch zeitaufwendiger und schien meiner Haut nicht besonders zu gefallen (Stichwort: Rasurbrand). Deshalb wechselte ich phasenweise immer wieder zwischen diesen zwei Methoden (elektrisch vs. nass) hin und her. Ich habe viel mit unterschiedlichen Techniken/Geräten ausprobiert, aber so sehr ich mich auch bemühte, keine der Varianten verlor ihre charakteristischen Nachteile.

Der “Sicherheitsrasierer”: Eine neue Hoffnung

Sichere Sache: Die eingespannte Rasierklinge

Als ich darüber nachdachte, wie ich Plastikmüll im Alltag reduzieren kann, stellte ich fest, dass vor allem die Systemrasierer ganz schön uncool sind (sowohl die Ersatzteile selbst als auch ihre Verpackung!). Nach einigem Stöbern bin ich dann auf den “Rasierhobel” (umgangssprachlich “Sicherheitsrasierer”) gestoßen. Klar, ich hatte solche Teile schon mal gesehen – aber meist in irgendwelchen Filmen oder Serien, wo ich dann nicht wusste, wie die Dinger heißen. Als ich ihn in einem Laden gesehen habe, folgte ich einem jetzt-oder-nie-Impuls und kaufte ihn spontan. Seit einer ganzen Weile nutze ich ihn nun und kann so aus eigener Erfahrung zehn gute Gründe dafür aufzählen, warum Du Dir einen Rasierhobel zulegen solltest:

1. Was Neues Lernen

In der Schule und noch im Studium gehörte es ja fest zu meiner Hauptbeschäftigung dazu, regelmäßig etwas Neues zu lernen. Aber schon da konnte ich nicht behaupten, besonders viele praktische Fähigkeiten erlernt zu haben. Sämtliche Handbewegungen und Abläufe, die mich sonst in meinem Alltag begleiten, sind über die Jahre Routine geworden und ich denke kaum mehr darüber nach. Der Rasierhobel stellte mich da vor gewisse Herausforderungen: Ich konnte nicht einfach so tun, als hätte ich einen Elektrorasierer in der Hand oder ihn mit derselben Sorglosigkeit durch mein Gesicht ziehen, wie ich es mit dem Systemrasierer gewohnt war. Sprich: Ich musste meine gesamte Rasurroutine über Bord werfen und mich mit dem neuen Werkzeug vertraut machen. Eine ideale Gelegenheit um etwas Neues zu lernen! Wie halte ich den Hobel am besten? Mit welchem Winkel erziele ich die besten Ergebnisse? An welchen Stellen muss ich besonders vorsichtig sein? Ich fand es sehr zufriedenstellend zu sehen, dass ich mit jedem Mal besser wurde. So hatte ich zum ersten Mal seit langer, langer Zeit auch wieder richtig Lust darauf, mich zu rasieren. Einfach nur um herauszufinden, wie gut es mir heute gelingen würde.

2. Gründliche Rasur

Das Fiese an unsauberen oder ungründlichen Rasuren ist, dass sie nicht immer sofort auffallen. Ich hatte es in den vergangenen Jahren sehr oft erlebt, dass unmittelbar nach der Rasur (egal ob elektrisch oder nass) alles schick war. Aftershave drauf und abnach draußen in die freie Wildbahn. Doch häufig merkte ich bereits nach ein oder zwei Stunden, an welchen Stellen meine Klingen eher nur mal so auf Durchreise waren, ohne wirklich etwas zu tun. Das hat mich immer sehr geärgert. Nach zwei Durchläufenmit dem Rasierhobel (einmal in Wuchsrichtung der Barthaare, einmal rechtwinklig dazu) habe ich dieses Problem nicht. Auch noch am Abend des Tages, an dem ich mich morgens rasiert habe, ist mein Gesicht schön glatt und seidig.

3. Hautschonend

Apropos glatt und seidig: Ein Problem, mit dem ich seit jeher zu kämpfen hatte, war Rasurbrand. Zugegeben, dass diese charakteristischen Hautrötungen und Pickelchen, die beim Rasieren entstehen können so heißen, habe ich erst im Zuge meiner Recherche mitbekommen. Aber vertraut war mir das Phänomen jedenfalls. Egal, ob ich den Elektro- oder den Systemrasierer verwendet habe, egal, wie ultrahypermegasupersensitiv mein Aftershave war. Als ich mir den Hobel zugelegt hatte, hoffte ich, dass mein Hals zumindest ein ganz klein bisschen weniger leiden müsste. Umso überraschter war ich, dass mir überhaupt nicht anzusehen war, dass ich mich rasiert hatte! Also, natürlich war es mir anzusehen – schließlich waren ja die Barthaare weg -, aber mein Gesicht war so gut wie gar nicht gerötet, keine Knubbel eingewachsener Härchen oder ähnliches. Von allem, was ich bisher ausprobiert habe, ist die Hobelrasur für mich die hautschonendste Variante.

4. Umweltschonend

Ich sagte ja bereits, dass ich mich überhaupt nach Alternativen umschauen wollte, weil ich meinen Plastikmüll reduzieren wollte. Das ist mir mit dem Rasierhobel auch gelungen – hier produziere ich gar keinen mehr. Beim Elektrorasierer war das relativ wenig; alle paar Jahre brauchte ich mal einen neuen Scherkopf und Scherfolie. Die bestanden zwar überwiegend aus Metall, aber gefasst waren diese immer in Plastik. Von der Verpackung mal ganz zu schweigen. Der Systemrasierer hingegen ist eine einzige Katastrophe. Das Teil besteht selbst schon aus Plastik, ist – meistens – in Plastik verpackt und braucht immer wieder Ersatzklingen. Diese bestehen dann auch wieder überwiegend aus Plastik und sind in Plastik verpackt. Schlimmer sind diesbezüglich nur noch Einwegrasierer. Weil auch die Klinge eines Rasierhobels irgendwann stumpf wird, muss sie natürlich ebenfalls gewechselt werden. Jetzt aber das ganz große Aber: Es muss dann auch _nur_ die Klinge gewechselt werden. Rasierklingen sind Centartikel und bestehen vollständig aus Metall. Sie sind praktisch überall auf der Welt zu haben und werden meistens auch in Papier oder Pappe verpackt angeboten. Plastikmüll gleich null.

5. Kostengünstig

Wie bei allen anderen Produkten gibt es auch bei den Sicherheitsrasiern eher teure und eher günstige Modelle. Wenn es kein Designerteil sein muss, könnt ihr plastikfreie Varianten schon ab 20 € kriegen. Die Klingen sind, wie schon gesagt, Centartikel. Es mag in der Anschaffung natürlich erstmal etwas teurer sein als ein x-beliebiger Systemrasierer, aber es dauert gar nicht lange, bis ihr die Kosten “wieder raus” habt. Überlegt selbst, was euch ein Päckchen Ersatzklingen kosten und wie lange sie euch reichen würden. Dem stehen 10 Rasierklingen für wenige Euro gegenüber. Und diese Rechnung lässt sich auch auf Rasierschaum oder -gel anwenden. Aber dazu später mehr.

6. Cooles Equipment

So oder so ähnlich sah das bisher immer in der TV-Werbung aus…

Die Werbung lässt uns glauben, dass kaum etwas abgefahrener sein kann, als der neue High-tech-ultra-nano-Mach-drölf-Rasierer, der dank überlegener Technologie die sauberste Rasur EVER garantiert. Kann doch nicht falsch sein, wenn sich dann noch ein Unterwäschemodel zufrieden über die scheinbar frisch rasierten Wangen streichelt und sich selbst zulächelt, oder? Ich stehe ja auf die nüchterne Eleganz, die dem Rasierhobel eigen ist. Schickes Design, praktisch, kein unnötiger Schnickschnack, selbstsicher und mit diesem gewissen 20er Jahre-Charme. Besonders, wenn das gute Stück in einem eigenen Halter im Bad steht (eigentlich hängt) und auf den nächsten Einsatz wartet, gibt es – zumindest ästhetisch – keine Diskussionen mehr 😉

7. Maximal reisefreundlich

Besonders längere Auslandsaufenthalte können herausfordernd werden. Kommt mein Elektrorasierer mit der hiesigen Netzspannung zurecht? Habe ich überhaupt den passenden Stecker? Muss ich jetzt etwa auf einen Systemrasierer zurückgreifen, auch wenn meine Haut das gar nicht (mehr) gewohnt ist? Und was ist überhaupt, wenn mir die Ersatzklingen ausgehen und es meine nicht vor Ort gibt? Dem Rasierhobel ist das einfach mal alles egal. Wie schon erwähnt gibt es überall auf der Welt Rasierklingen. Mehr braucht ihr nicht (auch wenn ich zugeben muss, dass ein Spiegel und fließendes Wasser schon praktisch sind).

8. Entschleunigend

Obwohl es vom Prinzip her nichts anderes ist, hatte ich doch vor dem Rasierhobel mehr Respekt als vor meinem Systemrasierer. Und gerade weil sich hier der Kopf nicht automatisch an die Gesichtskonturen anpasst, ist Vorsicht geboten. Die Klinge einfach so durch das Gesicht zu ziehen und womöglich noch Druck auszuüben ist eher nicht zu empfehlen. Weil es eine gewisse Eingewöhnung, Vor- und Nachbereitung erfordert, wirkt der Rasierhobel entschleunigend. Du bist gezwungen, Dir ein bisschen Zeit dafür zu nehmen, dein Gesicht wieder in einen Babypopo zu verwandeln. Kurze, sanfte Züge, regelmäßiges Ausspülen der Klinge, eventuell ein zweiter Durchlauf… das dauert natürlich ein bisschen. Wenn ich aber ehrlich bin, gefällt mir das ziemlich gut. So bin ich gezwungen, mit den Gedanken bei der Sache zu bleiben und kann gar nicht in Versuchung kommen, mich hektisch zwischen Tür und Angel rasieren zu wollen. Sehr angenehm.

9. Kein Wartungsaufwand

Was mich an meinem Elektrorasierer immer genervt hat, war der Wartungsaufwand. Klar, Scherkopf und -blatt hab ich nur so einmal im Jahr gewechselt. Aber regelmäßig gereinigt will das Teil ja schon werden, wenn es anständig rasieren soll. Nach jeder Rasur also Abnehmen und Ausklopfen des Scherblatts und dann noch das friemelige Ausbürsten der Klingen im Scherkopf! Meistens gehen sowieso nicht alle Haarpartikel raus und durch die langen Borsten der mitgelieferten Reinigungsbürsten schiebe ich mir eher noch neue hinein (und mache die Klingen stumpf). Ich bin wirklich froh, dass ich diesen Ärger mit dem Rasierhobel nicht habe. Alle paar Züge mal den Hobel in Wasser getaucht, einmal abgeklopft und weiter geht’s. Danach kurz unter laufendes Wasser gehalten und fertig.

10. Bonuslevel: Rasierschaum selbst aufschlagen 

Ich wollte ja noch etwas zum Rasierschaum sagen. Natürlich kannst Du auch für den Rasierhobel das fertige Zeug aus der Dose nehmen. Aber wenn Du es noch besser haben willst, kannst Du Dich ja am Bonuslevel versuchen und Deinen Rasierschaum selbst aufschlagen! Dafür gibt es eigene Rasierseife, die Du unter Zuhilfenahme von Wasser und einem Rasierpinsel (gibt es auch ohne Tierhaar) anrührst. Das hat gleich mehrere Vorteile. Erstens kannst Du so mit etwas Übung wirklich exakt die Menge Schaum produzieren, die Du brauchst. Darüber hinaus hast Du auch selbst in der Hand, wie “cremig” Dein Schaum werden soll. Rasierseifen sind enorm ergiebig. Das heißt, dass Du mit einem Stück Seife wesentlich länger auskommst als mit einer Dose Rasierschaum (oder -gel). So kannst Du zusätzlich noch einiges an Plastikmüll einsparen und kommst so dazu, Dich durch vielfältige und abwechslungsreiche Seifenvariationen zu probieren 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.