Keine Spielereien, sondern Solidarität!

Friedrich Merz hat sich Kritik für Heuchelei gegenüber Frauen eingefangen – mal wieder. Doch das Anprangern von Sexismus darf nicht bei denjenigen aufhören, von denen nichts anderes zu erwarten ist.

Er habe kein „Frauenproblem“, erklärte Friedrich Merz am 16. Januar beim Bundesparteitag der CDU. Schließlich, so Merz weiter, „hätten mir meine Töchter längst die gelbe Karte gezeigt – und meine Frau hätte mich nicht vor 40 Jahren geheiratet.“ So weit, so billig, diese Ansage des Politikers, der 1997 im Bundestag gegen einen Gesetzesentwurf stimmte, Vergewaltigungen als Straftat anzuerkennen, solange sie in der Ehe stattfinden.

Eine Behauptung und viel Quatsch

Der Friedrich Merz, der vor ein paar Jahren wieder aus der Versenkung auftauchte, versucht nun, sich als politischer Partner von Frauen zu präsentieren. Dass er immer wieder daran scheitert, liegt an Behauptungen wie der beim Bundesparteitag. Sie ist schnell zerlegt: Nur, weil jemand Frauen kennt oder mit ihnen zusammenlebt, macht ihn das noch lange nicht zu jemandem, der sie als gleichwertig anerkennt. Schließlich lebten vor etwas mehr als 100 Jahren auch Frauen mit Menschen zusammen, bevor Frauen überhaupt das Wahlrecht hatten. Und als Friedrich Merz 1997 gegen den Gesetzentwurf stimmte, war er bereits fast zwei Jahrzehnte lang mit seiner Frau verheiratet.

Sich über die Billigkeit von Merz’ Aussage aufzuregen, ist einfach. Es ist so einfach, dass es selbst schon wieder billig wird. Muss man Gewitztheit aufbringen, um die Falschheit und Heuchelei anzuprangern? Oder ist irgendetwas überraschend daran, dass ein Konservativer keine feministischen Positionen vertritt? Natürlich sollte man Frauenfeindlichkeit aufdecken und kritisieren. Nur: Wer sich bei Spielereien wie Kritik an Merz verausgabt, läuft Gefahr, sich danach stolz auf die Schulter zu klopfen und feministische und antisexistische Kämpfe zu übersehen. Oder glaubt jemand, alles links von Friedrich Merz und der CDU sei ein Paradies der Gerechtigkeit?

Sexismus bekämpfen – überall!

Auch in der linken und sich als feministisch bezeichnenden Szene wird Gewalt gegen FLINT* (Frauen, Lesben, inter, nicht binäre und trans Personen) verübt. Das zeigten zu Beispiel Ende 2020 Interviews im Leipziger Stadtmagazin kreuzer und bei der Kampagne NIKA Sachsen. Anfang 2020 wurde aufgedeckt, dass auf dem links-alternativen Festival „Monis Rache“ voyeuristische Videos von FLINT* auf Toiletten gemacht wurden. Wer als FLINT* Person in linken und alternativen Kreisen unterwegs ist, weiß, wie schwer es sein kann, sich dort in cis männlich dominierten Gruppen zu behaupten.

Wenn ihr Merz angeprangert habt: Cool. Hoffentlich hattet ihr Spaß dabei und würdet es wieder tun. Aber nehmt doch bitte die klopfende Hand von eurer Schulter und schaut euch um, wo feministische Kämpfe Solidarität benötigen.

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