Veganer Borschtsch – Lecker, ergiebig, schwer auszusprechen

Winter ist meine Lieblingsjahreszeit. Im Winter sind die Temperaturen in unseren Breiten erträglich und eins hat damit gleichzeitig gute Gründe den lieben langen Tag drinnen zu bleiben. Aber vor Allem ist Winter die Saison der Wurzelgemüse. Und ich mag Wurzelgemüse sehr. Ich würde sogar behaupten, dass die Rote Bete sich zu meinem Lieblingsgemüse gemausert hat. Aber was stellt eins denn schon mit Roter Bete an? Jenseits von Labskaus hat die deutsche Küche wenig anzubieten. Veganer Borschtsch to the rescue!

Borschtsch…Borscht…Borshshshshsss?

In diversen osteuropäischen Küchen findet sich eine Suppe namens Борщ wieder. Und jede einzelne behauptet, dass das Gericht in Wahrheit nur ihr zuzuschreiben ist. Da will ich mich nicht einmischen. Was allerdings ein echter Zankapfel (haha, weil Gemüse) ist, ist dessen Name im Deutschen. Denn irgendwie hat sich da immer ein “t” eingeschlichen, das meiner Auffassung nach da überhaupt nicht hingehört. Es ist immer wieder irgendwas zwischen unterhaltsam und tragisch, wenn die Leute sich einen abbrechen, um das auszusprechen, was geschrieben steht: “Borschtsch”. Für Muttersprachler*innen des Deutschen wirklich eine Herausforderung, besteht das Wort zu 90% aus Konsonanten. Diese verunglückte Übertragung in eine (mögliche) deutsche Schreibweise des Namens macht es unnötig kompliziert. Im Russischen beispielsweise braucht es (sinnigerweise) nur vier Buchstaben: Борщ. Und weil der Name des Gerichts auf einen Konsonanten endet, ist die Frage nach dem richtigen Artikel auch schon beantwortet: Es heißt DER Борщ.

Suppe vs. Eintopf: Ein Hinweis zu Mengenverhältnissen

Wenn Du (so wie ich) mit “deutscher Hausmannskost” aufgewachsen bist, dann war die Zubereitung von “exotischen” Gerichten wie Pizza oder ähnlichem immer schon eine Wissenschaft, in der es grammgenau zuging. Auch, wenn Борщ womöglich erst einmal exotisch wirkt, dürfen wir nicht vergessen, dass es sich hierbei um ein Alltagsgericht einfacher Leute handelt. Mit anderen Worten: Es wird verwendet, was gerade da ist. Mal mehr hiervon, mal weniger davon. Es ist dabei gar nicht so wichtig, in welchem Mengenverhältnis die einzelnen Festbestandteile zueinander vorkommen, sondern eher wie sich fest und flüssig die Waage halten (oder eben gerade nicht). Das dürfte mit der größter kulturelle Unterschied zwischen der deutschen und beispielsweise russischen Küche in diesem Fall sein. Was in ersterer nämlich eine klassische Suppe wäre, würde in letzterer höchstens Verwunderung hervorrufen und wohl als “Brühe mit vereinzelten Stückchen drin” durchgehen. Die Auffassung von Suppe, wie das Beispiel Борщ zeigt, in der russischen Küche tendiert eher in Richtung Eintopf der deutschen Küche. Daher wird es auch mit den Mengenangaben der Festbestandteile nicht so genau genommen. Denk Dir einfach das Wort “etwa” vor allen Zutaten 😉


Zutaten

Zum Kochen

  • 700 g Weißkohl
  • 2 Stück Rote Bete
  • 4 große Kartoffeln
  • 4 Karotten
  • 1 Stange Lauch / 1 (große) Gemüsezwiebel
  • Optional Räuchertofu
  • Nach Belieben Knoblauch
  • Salz
  • Pfeffer
  • Dill
  • Essig
  • Öl zum Anbraten
  • 1,25 l Gemüsebrühe

Zum Servieren

  • (Soja-/Hafer-/Lupinen-) Joghurt
  • Ggf. Brot

Zubereitung

Nimm Dir einen Topf. Einen GROẞEN Topf. Du wirst, wenn Du nicht gerade mehrere Leute bekochst, Essen für ein paar Tage haben. In diesem kannst Du schon einmal etwas Öl langsam heiß werden lassen. LANGSAM, denn zunächst musst Du ein bisschen schnippeln.

Das schöne an (veganem) Borschtsch ist, dass hier unterschiedliche Schnittformen zur Geltung kommen. Während der Weißkohl in möglichst dünne Streifen geschnitten werden sollte, werden aus den Kartoffeln kleine Würfelchen, aus den Karotten Scheiben und aus den Roten Beten Stifte. Wenn Du Lauch da hast, empfehle ich Dir diesen in Streifen (Halbringe) zu scheiden, wenn Du eine Zwiebel da hast, würfelst Du sie einfach. Achte aber beim Kohl und bei der Roten Bete darauf, dass die Streifen/Stifte nicht zu lang werden. Bedenke, dass Du die Suppe ja auch auslöffeln können musst 😉 Wenn Du magst, kannst Du auch noch etwas Räuchertofu würfeln. Ist das erledigt, geht es ans Anbraten.

Hidden Headline

Weißkohl. So viel Weißkohl. Schön ordentlich in Streifen geschnitten.

Karotten zurechtlegen, …

…in feine Ringe schneiden…

…und sammeln.

Die Kartoffeln werden…

…zu kleinen Würfelchen verarbeitet…

…und ebenfalls gesammelt.

Die Rote Bete, der Superstar unter den Zutaten. Hier noch angezogen…

…und hier schon völlig nackig!

Die Bete werden in mund-/löffelgerechte Stifte geschnitten.

Zum Grünzeug, der Zwiebel und dem Knoblauch sag ich mal nichts. Damit werdet ihr schon zurechtkommen 😉

Los geht’s! Zwiebeln und Knoblauch anbraten…

…unsere gewürfelten Freunde dazu…

und schließlich die Rote Bete.

Oben drauf dann das Gargut (Karotten und Weißkohl)…

…und zwar alles davon. Deshalb wies ich auf den GROßEN Topf hin 🙂

Und so sieht das ganze dann in fast fertig aus, wenn es mit der Brühe vor sich hingeköchelt hat.

Wenn Tofu vorgesehen ist, würde ich mit diesem beginnen und ihn im heißen Öl anbraten. Hat er den  gewünschten Bräunungsgrad erreicht, kommt der Lauch/die Zwiebel dazu. Anschließend kannst Du den Knoblauch hineinpressen. Danach gibst Du die gewürfelten Kartoffeln hinzu, um ihnen auch die Chance zu geben, etwas anzuknuspern. Zum Schluss gibst Du das restliche Gemüse hinzu. Dein Topf dürfte jetzt auch schon gut voll sein. Das Ganze löschst Du dann mit der Gemüsebrühe ab und lässt es aufkochen. Nach Geschmack mit Salz und Pfeffer würzen, einen Schuss Essig (alternativ etwas Zitronensaft) hinzugeben und nicht mit Dill sparen.

(Fast) Geschafft!

Es ist nun Glaubensfrage, wie lange die Suppe kochen sollte. Du hast die Wahl, den Борщ entweder bei großer Hitze so lange zu kochen, bis alles Gemüse gar ist (sollte nicht länger als 20min dauern) oder bei niedriger Temperatur laaaaaaange vor sich hinköcheln zu lassen. Ich mache meistens letzteres.

Die fertige Suppe servierst Du mit einem guten Klecks Getreidejoghurt (in der Originalversion wird hierfür saure Sahne genommen) obendrauf. Wenn Du auf Verschachtelung stehst, kannst Du natürlich noch die Garnitur garnieren und ein bisschen Dill auf den Joghurt streuen. Guten Hunger und viel Spaß beim Auslöffeln!

Symbolbild: Ein Teller leckerer veganer Bortschtsch. Garniert mit einem Klecks Sojajoghurt und etwas Extradill.

Tobias

IT, Sprache(n), Politik, Musik, Literatur. Tut Banane auf Pizza. Ja, wirklich!

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