Wir haben Platz! – Protest für die Evakuation des Geflüchtetenlagers Moria

Am 9. September fanden in etwa vierzig weiteren Städten deutschlandweit spontane Proteste statt. Allein in Leipzig versammelten sich mehrere tausend Menschen. Sie forderten die Evakuierung des Geflüchtetenlagers Moria auf der griechischen Insel Lesbos und die sofortige Aufnahme Geflüchteter.

Im Lager Moria ist in der Nacht auf den 9. September ein Feuer ausgebrochen. Die Unterkünfte der Menschen dort wurden weitestgehend zerstört.In dem Lager, das eigentlich nur für knapp 3000 Personen ausgelegt ist, wurden bis dahin knapp 13.000 Menschen untergebracht. Moria verhinderte, dass die Geflüchteten auf das europäische Festland gelangten. Feste Unterkünfte gab es dort kaum, so dass die Menschen dort zum Großteil in Zelten und unter Plastikplanen lebten. Die hygienische Lage war desatrös und eine medizinische Versorgung fand kaum statt.Entsprechend werden die Lebensbedingungen in dem Lager bereits seit Jahren scharf kritisiert. So fordern seit Jahren viele Organisation die Behörden auf das Lager zu evakuieren.

Foto der Demo: Transparent an der Demospitze "Solidarische Stadt Leipzig - Seebrücke"

Viele Städte in Deutschland und auch Bundesländer, wie Bremen und Thüringen, haben sich schon länger bereit erklärt, Menschen aus dem Lager aufzunehmen – dennoch blockiert der Innenminister Horts Seehofer die Hilfe. Das prangerten am Mittwochabend auch die Protestierenden in Leipzig an. Zu der Versammlung hatte ein Zusammenschluss von verschiedenen Initiative von vor Ort, der Seebrücke, dem Bündnis Unteilbar und der Partei Die Linke aufgerufen. Mehrere tausend Menschen versammelten sich spontan in der Leipziger Innenstadt. Ihre Forderung: “Wir haben Platz! Für die sofortige Aufnahme der Geflüchteten aus Moria und allen Lagern!”

Max vom Bündnis Unteilbar spricht über die Hintergründe und die Forderungen der Protestierenden.

Warum protestiert ihr?

Max: Wir sind auf die Straße gegangen, weil die Situation in Moria mit dem Brand eskaliert ist. Die Situation war schon über Wochen und Monate hochdramatisch, aber durch diesen Brand hat sich die Lage nochmal wesentlich verschärft. Gleichzeitig war es eine Eskalation mit Ansage. Es war klar: Wenn die Corona-Pandemie dort ausbricht, dann wird das Lager unter Quarantäne gestellt werden. Aber man kann in einem Lager, das für maximal 3.000 Menschen ausgelegt ist, nicht 13.000 Menschen unterbringen.

Was ist gestern in Moria passiert?

Max: Nachdem die ersten Coronafälle in Moria bekannt wurden, wurde das Lager unter Quarantäne gestellt und damit haben sich alle Probleme, die es bereits vorher in dem Lager gab, natürlich nochmal verschärft. Das heißt, es wurden 13.000 Menschen in einem viel zu kleinen Lager eingepfercht. Und die Menschen haben dann einfach dagegen rebelliert und haben gesagt: Wir wollen das nicht mehr!

Transparent: Leave No One Behind Wir haben Platz!

Wisst ihr, wie es jetzt mit den Menschen weiter geht?

Max: Was nun mit denen passiert, die dort all ihr Hab und Gut und ihre Unterkunft verloren haben, das ist völlig offen. Wir haben bei der Auftaktkundgebung in einem Redebeitrag gehört, dass die Zukunft völlig unklar ist. Es herrschen dramatische Zustände dort. Die Menschen wissen nicht, wo sie übernachten sollen. Die Versorgungslage der Menschen ist gefährdet.Sie haben kein Dach über dem Kopf. Noch dazu sind dort jetzt mittlerweile viele Rechte und Nazis, die aus Griechenland und anderen europäischen Ländern dorthin mobilisert haben und die Geflüchteten jetzt angreifen.

Was denkst du, was kann man hier aus Leipzig tun? Was kann auch insbesondere die Stadt Leipzig tun?

Max: In der nächsten Woche soll der Stadtrat die Stadt Leipzig noch einmal als “Sicheren Hafen” ausrufen und auch dem entsprechenden Bündnis der Städte beitreten. Ich glaube, es ist ein wichtiges Signal, dass Leipzig deutlich macht: Wir können Menschen aufnehmen! Wir haben Platz! Auch ist es wichtig, dass Burkhard Jung an seine SPD-Kolleginnen und Kollegen tritt und Druck macht. Bund und Land müssen deutlich machen: Hey, liebe große Koalition in Berlin, liebe sächsische Koalition, ihr müsst endlich mal handeln! Es geht so nicht weiter! Dieses Fass, das eh schon voll war, ist jetzt endlich überlaufen! Wir müssen jetzt handeln und die Leute da raus holen!

Foto: Transpent auf dem Boden "Solidarische Stadt Leipzig Nein zur Festung Europa" - Seebrücke schafft Sichere Häfen

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